Wie ist der MPU Ablauf – Was ist zu beachten

Alkoholisiert in ein Auto zu steigen ist die eine Sache. Das Risiko einer solchen Fahrt ist in der Regel bekannt aber dennoch geschieht es immer wieder. Wer nun alkoholisiert am Steuer erwischt wird, muss sich unweigerlich einem MPU-Test stellen. In diesem Beitrag haben wir für dich zusammengefasst, wie diese medizinisch-psychologische Untersuchung abläuft.

Voraussetzungen für die Anordnung einer MPU

Tatsächlich heißt die MPU „Begutachtung der Fahrereignung“ und kann von jedem am Straßenverkehr Teilnehmenden gefordert werden, wenn er mehr als 1,6 Promille im Blut hat und auf dem Fahrrad oder in einem Auto unterwegs ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob der derjenige einen Führerschein hat, oder nicht. Eine MPU kann auch dann gefordert werden, wenn der oder die Fahrer/in unter dem Einfluss von Drogen stand, mehr als 7 Punkte in Flensburg gesammelt hat oder strafrechtliche Auffälligkeiten, wie bereits strafrechtlich bekanntes aggressives Verhalten aufweist.

Wie beantrage ich eine MPU?

MPU Ablauf

Wie ist der MPU Ablauf – Was ist zu beachten

Solltest du befürchten, deinen Führerschein abgeben zu müssen oder hast das bereits aufgrund einer auferlegten Sperrfrist getan, so folgt zunächst einmal das Ablaufen dieser Sperrfrist. Für die Zeit von einem bestimmten Zeitraum wird dir die Fahrerlaubnis entzogen. Du musst dann bei der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde einen Antrag auf Neuerteilung deines Führerscheins / deiner Fahrerlaubnis stellen.

Während die Mitarbeiter der Führersteinstelle deinen Antrag prüfen wird ein Richter entscheiden, ob du eine MPU machen musst, oder nicht. Sobald du den Bescheid darüber bekommst, suchst du dir eine entsprechende Prüfungsstelle selber aus und an diese werden dann deine Unterlagen geschickt, damit vor Ort auch mit den Fakten gearbeitet werden kann. Wenn dann in dieser Prüfungsstelle deine Fahrerlaubsnisakte eingegangen ist, kannst du einen Termin zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung beantragen. Dann überweist du die Kosten für die MPU, diese können je nach Behörde und Anlass zwischen 350 € bis 750 € betragen.

Die Fahreignungsprüfung läuft in drei Schritten ab. Sie besteht aus der medizinischen Untersuchung, der Überprüfung der Leistungsfähigkeit und einer Beurteilung eines psychologischen Gutachters nach einem entsprechenden Gespräch. Zwischen den einzelnen Teilen liegen meist mehrere Wochen, das hängt auch damit zusammen, dass eventuell ein Abstinenzbeleg verlangt wird. Bis das Gutachten letztendlich erstellt ist und eine Entscheidung vorliegt vergehen meist 1-2 Wochen.

Abstinenzbeleg

Allein das Wort Abstinenzbeleg kann schon einschüchternd wirken, denn mehr als 96 % der Weltbevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren trinkt Alkohol [1]. Wer also des Abends gern mal ein Glas Wein trinkt oder sein Feierabendbier schreckt nun eventuell auf, denn Abstinenz bedeutet, dass kein Alkohol für einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr getrunken werden darf. Während du in der Vorbereitung für deine MPU bist kann unter Umständen ein Abstinenzbeleg gefordert werden. Diese Abstinenzbelege bekommst du auch in den entsprechenden Prüfstellen.

Die Abstinenz kann entweder per Haarwurzelanalyse oder Urinkontrolle festgestellt werden. Der Test reagiert auf ein Alkohol-Abbauprodukt, dem Ethylglucuronid. Ist dieses im Urin oder in einer Haarwurzel nachgewiesen, kann keine Abstinenz nachgewiesen werden. Die Kontrollen können in zwei unterschiedlichen Intervallmöglichkeiten erfolgen: innerhalb eines halben Jahres mit 4 Urinkontrollen oder mit 6 Urinkontrollen innerhalb von 12 Monaten.

Sollten deine Haare nicht gefärbt, getönt oder chemisch gebleicht sein kommt auch eine Abstinenzprüfung durch eine Haarwurzelanalyse infrage. Die untersuchten Haare dürfen bei einem Alkoholtest maximal 3cm lang sein. Bei einem Nachweistest auf Drogen müssen die Haare 6cm lang sein.

Ablauf der medizinischen Untersuchung

Während der medizinischen Untersuchung wird deine Fähigkeit ein Fahrzeug zu führen auf Herz und Nieren geprüft. Es geht erst einmal darum, grundsätzlich herauszufinden, ob du physiologisch dazu in der Lage bist oder ob eine körperliche Behinderung dagegensprechen könnte.

Bei einem Thema überschneiden sich die Bereiche Psychologie und Physiognomie: Abhängigkeiten von Drogen.

Im Detail bedeutet das, dass du dich zuerst in eine der zugelassenen 16 Prüfungsstellen begibst und dort einen detaillierten Fragebogen ausfüllst. Deinen Personalausweis benötigst du bei der Anmeldung ebenso, damit deine Personalien korrekt aufgenommen werden können. Alles, was besprochen und aufgeschrieben wird, unterliegt natürlich der Schweigepflicht.

Um großen und ganzen wird deine medizinische Vorgeschichte wird im Detail erörtert und es findet eine körperliche Untersuchung statt. Blutabnahme und eine Urinprobe sind Standard, eventuell wird noch ein Drogenscreening durchgeführt.

Bei dem standardisierten Urintest wird lediglich untersucht, ob eine Zuckerkrankheit vorliegt. Das Ergebnis steht nach 30 Sekunden fest. Diese Bestimmungen haben nichts mit der Fahrertauglichkeit in Hinblick auf Drogen- oder Alkoholkonsum zu tun. Sollte es ein Ergebnis geben, das eine weitere Behandlung notwendig macht, wird das in Absprache mit dir an deinen behandelnden Arzt weitergeleitet.

Bei der medizinischen Untersuchung wird ein Sehtest gemacht. Solltest du also Brillenträger oder auf Kontaktlinsen angewiesen sein, so muss der Test auch dementsprechend mit diesen Sehhilfen durchgeführt werden. Die Fähigkeit des Farbsehens und die Sehschärfe werden genau geprüft, wie auch das Vorhandensein eines ausreichenden Gesichtsfeldes. Weitere Punkte des Sehtests sind Stereosehen, die Untersuchung auf Schielen (Phorie), Kontrastsehen und Blendsehen.

Die Sehschärfe muss für beide Augen 100%, für je ein Auge mindestens 80% betragen. Werden diese Werte nicht erreicht, wird ein Besuch bei einem Augenarzt unausweichlich.

Überprüfung der Leistungsfähigkeit

Bei dem zweiten Teil der Fahreignungsprüfung steht ein leistungspsychologischer Test an. Bei diesen Tests werden die folgenden Faktoren Belastbarkeit und Orientierungsleistung geprüft. Ein standardisierter Test am Computer dient der Feststellung der Reaktionsfähigkeit. Außerdem wird die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit festgestellt.

In dem Falle, dass die Ergebnisse nicht den Anforderungen entsprechend ausfallen kann durchaus ein weiterer Test angeordnet werden. In diesem wird die Kompensationsfähigkeit durch eine Fahrverhaltensbeobachtung festgestellt und ausgewertet.

Psychologisches Gespräch

Die meisten Befürchtungen und Ängste kommen beim Thema psychologisches Gespräch auf. Denn dabei geht es hauptsächlich darum herauszufinden, in wieweit du einsichtig bist, wenn es um dein früheres Verhalten geht. Ein weiteres Ziel des Gespräches ist, herauszufinden, was die Ursachen für das zuvor gezeigte Fehlverhalten im Straßenverkehr sein könnten. Besonders wichtig ist auch die Frage, inwiefern eine Bereitschaft besteht, Konsequenzen für die eigenen Fehler anerkennen zu können.

Mindestens genauso wichtig sind die Reflektion des aktuellen Verhaltens und die Fähigkeit einschätzen zu können, in wieweit Vorsätze für das zukünftige Verhalten bestehen und auch ehrlich gemeint sind. Ziel der ganzen Angelegenheit ist, Verkehrsauffälligkeiten für die Zukunft zu verhindern. Das gesamte Gespräch wird auch aufgezeichnet, damit es auch im Nachgang ausgewertet werden kann.

Viele haben gerade deshalb davor Angst sich diesem Gespräch zu stellen, weil es durchaus eine sehr persönliche und intime Angelegenheit ist. Die Hauptbefürchtung ist, das am Ende trotz allem ein negatives Ergebnis feststeht. So ganz unwahrscheinlich ist das auch gar nicht, denn immerhin fallen knapp 50% der getesteten Personen durch.

Trotz dieser Durchfallquote kannst du dich darauf verlassen, dass die Gutachten durch geprüfte und zertifizierte Verkehrspsychologen erstellt werden. Sie stellen gezielt Fragen und wie ehrlich deine Antworten sind, das liegt ganz allein bei dir. Bedenke aber bitte, dass das Gutachten entsprechend deiner Aussagen erstellt wird und die Fragen kein Roboter stellt, sondern geschultes Personal.  Die psychologischen Gutachter wissen Mikroexpressionen, Mimik und Gestik durchaus verständig zu lesen. Das heißt, dass sie nicht nur wissen, welche Fragen sie stellen müssen, sondern auch, wie deine Antworten aufgrund extrem kurzzeitiger Gesichtsausdrücke einzuschätzen und auszuwerten sind. Du brauchst aber trotzdem keine Angst vor der Person haben, die mit dir das psychologische Gespräch durchführt. Denn letztendlich sitzt dir in diesem Gespräch vor allem ein Mensch gegenüber. Und es geht nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen oder durch irgendwelche Tricks davon abzuhalten, die Fahrtauglichkeitsprüfung zu bestehen.

Vorbereitung auf ein psychologisches Gespräch

Viele derer, die eine MPU vor sich haben fühlen sich in der Zwickmühle gefangen. Sie haben Bedenken, die MPU zu bestehen. Dadurch hat sich in den letzten Jahren eine Marktlücke aufgetan. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Verkehrspsychologen, die sich darauf spezialisiert haben eine entsprechende Vorbereitung auf die verkehrspsychologische Untersuchung anbieten zu können. Die Voraussetzung ist, dass man dafür das nötige Kleingeld aufbringen kann und will. Die Kosten sind ganz unterschiedlich, es kommt auf den Fall und auch darauf an, ob die Beratung in Einzel- oder Gruppenstunden abgehalten wird.

Solltest du dich für eine professionelle Vorbereitung auf die MPU entschieden haben, ist es wichtig, dass du dich genau informierst. Dein Berater sollte ein Psychologe sein, der einen Diplom- oder Masterabschluss vorweisen kann. Der Berater deiner Wahl wird mit dir einen Vertrag abschließen, in dem die Bedingungen in Vorbereitung auf die Fahrtauglichkeitsuntersuchung geklärt sind. Dein Berater / deine Beraterin wird dir sicher nicht raten, irgendwelche Antworten auswendig zu lernen, die den psychologischen Gutachter vermeintlich zufrieden stellen.

Erstellung des Gutachtens und was danach passiert

In der Regel bekommst du das Ergebnis deines Tests direkt nach dem Gespräch, allerdings unverbindlich. Die Erstellung des schriftlichen Gutachtens dauert allerdings ca. 2 Wochen, da dafür erst die Auswertung aller Ergebnisse der labortechnischen Untersuchung sind ist.

Die Information über die Entscheidung, ob du nun fahrtauglich bist oder nicht ereilt dich postalisch in zweifacher Ausfertigung. Eine Ausfertigung davon ist für dich, ein weiteres Exemplar benötigst du dann für die Fahrerlaubnisbehörde, um den Führerschein erneut ausgestellt zu bekommen.

MPU für Berufskraftfahrer

Da die Anforderungen an Konzentration und Leistungsfähigkeit an einen Berufskraftfahrer im Kraftverkehr teilzunehmen höher sind, als bei den üblichen Verkehrsteilnehmern, sieht der Test auch etwas anders aus. Zusätzlich zu den üblichen Tests sind für Taxi- und Busfahrer besondere Leistungstests vorgeschrieben. Genauere Informationen erhältst du bei der Prüfungsstelle deiner Wahl.

Weiterführende Quellen:

http://www.aktionswoche-alkohol.de/fakten-mythen/zahlen-und-fakten/

https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/mpi-begutachtungsstellen/berlin

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